WES4.0 – Mobiles Lernen mit Tablets: Eindrücke von Tag 2

Manchmal ist an Tag 2 einer solchen Tagung die Luft raus, dieses Mal hatte man das Gefühl, dass es durch die insgesamt entspanntere Haltung noch produktiver wurde als am ersten Tag.

Politischer Keynote-Vortrag

In der Keynote von MdB Saskia Esken erhielt man einen Einblick in die politischen Prozesse auf Bundesebene, auch ob die ominösen 5 Mrd. € von Bildungsministerin Wanka jemals fließen werden (Antwort: erstmal nein). Schon an Tag 1 war zwischen den Zeilen in Gesprächen mit Unternehmensvertretern die Rolle des Bundes und das Kooperationsverbot im Bildungsbereich Thema. Es scheint sich folgendes Muster herauszubilden:

  1. Digitale Endgeräte müssen erst als Lernmittel anerkannt werden.
  2. Die Lernmittelfreiheit wird in manchen Bundesländern gewährt und in manchen nicht.
  3. Die Gleichheit der Lernbedingungen (Lebensverhältnisse) ist so im Bundesländervergleich nicht mehr gewährleistet.
  4. Eine Verfassungsklage könnte hier ein Hebel sein, das Kooperationsverbot auszuhebeln.

Die Einschränkung zum Schluss: Saskia Esken war hier weniger optimistisch bzw. hatte sie diesen Ansatz bisher noch nicht wahrgenommen.

Workshop Jan Hambsch: Modell Individuelle Förderung digital (MIFD)

Bei diesem Modell dachte ich als erstes, genau wie beim SAMR-Modell: Konnte man kein attraktiveres Akronym finden? Jan Hambsch und Tobias Rodermerk haben sich die Mühe gemacht, ein umfassendes Modell zu entwickeln, was von Theorien bzw. Modellen und Teilaspekten der Hattie-Studie ausgehend Apps konkreten Aufgaben zuordnet. Wem dieser Satz jetzt zu abstrakt war, den verweise ich auf das komplexe Rad, das hier in Version 3 zu finden ist.  Es folgte ein Parforceritt durch das Who is Who der Apps, verknüpft mit vielen guten Ideen (Sprachaustausch, Differenzierung, Schreibaufgaben, mündliche Aktivierung etc.). Sogar das inzwischen verpönte Kahoot fehlte nicht. Jan wies darauf hin, das es durchaus auch zur Diagnose dienen kann, ebenso wie viele andere Tools, die sich datenschutzrechtlich in der Grauzone befinden. Aber in eben dieser Zone ist es auch manchmal, „where the magic happens“.

Workshop Sandra Ricker zur Elternarbeit

Hochkompetente aber bescheidene Referentinnen und Referenten bekommen bei solch großen Tagungen manchmal etwas zu wenig Aufmerksamkeit. Sandra Ricker ist eine erfahrene Schulentwicklerin, die schon weit gereist ist und mit den Teilnehmern des Workshops in aller Entspannheit Kriterien erfolgreicher Elternarbeit im Digitalisierungsprozess an Schulen erarbeitete.

Ein einem ersten Schritt ging es darum, die Zielgruppe unserer Elternschaft genauer zu definieren (Wann haben sie Zeit? Welche Kommunikationskanäle gibt es? Welche können geöffnet werden). Im zweiten Schritt berichtete sie von erfolgreichen Strukturen für die Gestaltung verschiedener Formate:

  1. Info-Abend zur Tablet-Einführung (allgemein)
  2. Mediencafé (Offenes Angebot für Eltern)
  3. Klassenspezifische Info-Veranstaltung
  4. Elternsprechtag+ (Präsentation von Medienprodukten durch SuS)

Die Grundstruktur war dabei zunächst wenig überraschend:

  1. Impulsvortrag
  2. Galeriegang oder Beispiele selbst erleben lassen
  3. Diskussion / Aussprache

Gute Beispiele für eine klassenspezifische Info-Veranstaltung waren dabei:

  • Mehrere Vertreter sprechen lassen (mehrere LuL)
  • Schüler sollten eingebunden sein und von Erfahrungen berichten bzw. konkret etwas zeigen; je mehr Schüler desto überzeugender
  • Vorher eingebundene Elternvertreter sollten ggf. mit präsentieren als Agenten der Sache.
  • In technischen Fragen Setzungen vornehmen und nicht diskutieren (aber begründen!)
  • Regelmäßige Kommunikation darüber hinaus über Infobrief/Newsletter (z.B. über QR-Code), ggf. Blog (weniger effektiv)

Die Teilnehmer hatten durchaus schon Erfahrungen mit sehr kritischen Rückfragen bzw. sogar gesprengten Veranstaltungen gemacht. Hier wurde kontrovers diskutiert, aber auch hier ein paar Tipps:

  1. Auf technische Details in der Darstellung verzichten
  2. Technische Methoden zur Beteiligung verwenden (Answergarden, Kahoot, Padlet), damit die Mehrheiten deutlich werden und kritische Stimmen ggf. vereinzelt werden (nicht ignoriert oder geringgeschätzt, aber relativiert)
  3. In eine gesonderte  (bei uns „Forum Schulentwicklung“ genannt) einladen, damit die Detailfragen nicht vor der Elternschaft geklärt werden müssen.

Zum Schluss: Abrunden der Entwicklungsfragen mit Andreas Hofmann

Meine Workshoprunde endete bei einem der Organisatoren, Andreas Hofmann, der seinen Weg der Schulentwicklung in diesem Bereich skizzierte, mit Erfolgserlebnissen, aber auch mit blutigen Nasen und rechtlichen Auseinandersetzungen. Was interessant war: Er gab unumwunden zu, dass sich sein Denken vor allem in den letzten zwei Jahren Twitter durch die Vernetzung gewandelt habe. Sein Ausgangspunkt war: Die Diskrepanz zwischen dem Gerätebesitz Jugendlicher laut JIM-Studie und dem Geräteeinsatz in der Schulrealität kann nicht so bleiben (Kommentar von mir: Schule macht sich hier seit einigen Jahren eigentlich komplett lächerlich vor Jugendlichen).

Folgende Punkte waren ihm im Kern wichtig:

  1. Es braucht Konzepte (keine großen Medienkonzepte, aber eine Vorstellung, wo man hin will).
  2. Die Lehrerausbildung muss sich grundlegend ändern.
  3. Kommunikation und ein Team sind wichtig, damit man sich nicht verkämpft (spricht auch gegen Pilotversuche und „Leuchttürme“)
  4. Der Datenschutz muss den Rahmen bilden. Ich muss wissen, wo er anfängt und endet, damit ich die Möglichkeiten und Grauzonen einschätzen kann.
  5. Die Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für die Arbeit. Hier fehlt es noch häufig an Zuverlässigkeit.
  6. Die Finanzierung sollte in der Breite durch technisches Abspecken (Tablets statt teurer Computer) und Leasing-Modelle kein Problem sein. Soziale Abfederung gehört selbstverständlich dazu.

Alles in allem war das ein spannender, bestärkender und auch anstrengender Tag. Vielen Dank allen Referenten und den Organisatorinnen und Organisatoren an der WES. Das war gelungen! Wann geht es weiter?

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WES4.0 – Mobiles Lernen mit Tablets: Eindrücke von Tag 1

Keynote-Vortrag von Richard Heinen und Katja Anokhina: Schnelle Komplexität

Im Keynote „Schule in einer Gesellschaft im digitalen Wandel“ wurde deutlich, wie sehr derzeit versucht wird, Prinzipien der Software-Entwicklung auf die Schulentwicklung zu übertragen (Stichwort Agilität). Der Versuch einer Strukturierung aller Herausforderungen und Ebenen, die von diesem Prozess betroffen sind, endete in einer sehr komplexen Scheibe, die in einem Pecha Kucha-Format präsentiert wurde, als ob es  noch einer zusätzlichen Herausforderung durch hohe Geschwindigkeit bedurft hätte. Hier wurde auch klar: Die Schulen, die sich im Forum Bildung Digitalisierung (#ForumBD) betätigen, bewegen sich gedanklich schon auf einer ganz anderen Ebene. Was die Veranstalter bewogen hat, einen solch spezifischen Ansatz (der unbedingt durchdenkenswert ist!) als Keynote zu wählen in einem Setting, wo mind. 1/3 Newbies waren, bleibt mir etwas schleierhaft. Hier die von den beiden bereitgestellten Folien; ich freue mich über Erläuterungen des Dargestellten:

Workshop von Dejan Mihajlovic: Lehrende im digitalen Zeitalter

Dejans Ausgangspunkt waren Veränderungen in der Wirtschaft (Automatisierung, Firma BostonDynamics etc.), um dann darauf zu sprechen zu kommen, dass die gesamtgesellschaftliche Komponente in der Verkürzung auf wirtschaftliche Anforderungen oft zu kurz kommt. Er stellte seine Vorstellung einer zeitgemäßen Bildung auf dieser Basis vor, die eben nicht von der Technik ausgeht, sondern u.a. die veränderten Lernformen in den Vordergrund stellte.

Für manche auf der Tagung ist das eine Elfenbeinturmdiskussion, ich finde sie eben wegen des Arguments des „Framing“ sehr wichtig: Welches Mindset wird abgerufen, wenn wir sagen, wir führen eine „Tabletklasse“ ein? Welche Vorstellung von Unterricht füllt die Ausgestaltung dieser vermeintlichen Revolution? Im schlimmsten Fall, und auch davon habe ich am ersten Tag wieder erfahren, füllen Schülerinnen und Schüler die gleichen Skripte, die sie vorher analog ausgefüllt haben, jetzt digital aus, und das Ganze noch langsamer, weil die günstigen iPads kein Schreiben mit dem Pencil ermöglichen. Und dann stecken wir im SAMR-Modell noch vor der Ebene des S fest.

Man könnte Dejans Vorstellung von Lehrerinnen und Lehrern, die sich permanent und jeden Tag über Social Media vernetzen und fortbilden, als Zumutung bezeichnen, aber die Idee ist richtig: Wir sind Vorbilder im Lernen; unsere Schülerinnen und Schüler sind vernetzt. Sie nutzen diese Fähigkeiten aber nicht für Ihr Privates Lernnetzwerk (PLN) bei schulisch gewünschten Inhalten (durchaus aber im privaten Lernen, wie der Skill-Entwicklung von Fifa18). Der erste Schritt müsste aber sein, Kollegien die Vernetzung beizubringen. Es geht mal wieder um Haltung, und die lässt sich auch im „Analogen“ einüben: Bei der Hospitation und im Austausch mit Schulen, die weiter sind als das eigene Kollegium, bei der Organisation einer Barcamp-Struktur auf Schulebene, angereichert mit externen Experten.

Und sonst so?

Es fällt auf, dass strukturelle Ansätze (wie schaffe ich es, dass sich eine gesamte Schule auf den Weg macht) immer noch zu kurz kommen. Von der reinen Tool-Werkstatt war der erste Tag von #wes4_0 zum Glück weit entfernt, aber ebenso weit auch von Perspektiven für die gesamte Bildungslandschaft. Über den Versuch einer Bildungscloud in Baden-Württemberg wird nicht nur hinter vorgehaltener Hand gelacht. Die Situation mit Logineo in NRW hat wieder gezeigt: Staatliche Lösungen sind in diesem (unterfinanzierten) Bereich immer unterlegen. Es braucht Lizenzierungen für private Angebote (Google Classroom, Office 365) mit klaren datenschutzrechtlichen und finanziellen Vorgaben. Darin sind sich auf fast allen Ebenen alle einig, die Entscheidungen am Ende sehen anders aus.

To be continued…

Unser Schulentwicklungsprozess in Zeiten der Digitalisierung – und warum wir uns Zeit lassen, obwohl wir eine Richtung haben

IMG_3730.jpgWir sind ein ganz normales Gymnasium in Baden-Württemberg. Für viele sind wir dadurch qua Schulform nicht der Hort der Entwicklungsbereitschaft. Aber ganz normal sind wir trotzdem nicht: Wir sind in evangelischer Trägerschaft; wir haben im Jahre 2010 beim Schulpreis den Sonderpreis für Schulentwicklung erhalten; und wir haben seit 2004 ein eigenes Profilfach mit der Bezeichnung „Mensch und Medien“, ein Fach mit medienethischen Fragestellungen, das zum Ziel hat, dass die SuS die Medien beherrschen, nicht die Medien sie. Dadurch haben wir 4-5 medienaffine LuL, die dieses Fach unterrichten und auch weiterentwickeln. Sie standen damit im Kollegium aber bisher alleine da.

Was treibt uns?

Niemand kann die epochalen Veränderungen in der Gesellschaft und in der Art, wie wir alle lernen, noch leugnen. Das System Schule muss darauf reagieren, nein, auch endlich einmal agieren. Ein System, das diese Veränderungen nicht ernst nimmt, macht sich lächerlich. Dafür muss ich nicht Professor Hurrelmann zitieren, der das mal beim GEW-Bundeskongress in Stuttgart so ähnlich sagte. Gleichzeitig bekamen wir 2016 in Baden-Württemberg einen neuen Bildungsplan mit der Leitperspektive Medienbildung (mal wieder in anderen Fächern integriert) und es gab ein umfassendes Tabletprojekt an beruflichen Schulen, die mit unserem Aufbaugymnasiumszweig in einer gewissen Konkurrenz stehen. Also: Mikro- und Makroebene sprachen für einen Veränderungsprozess.

Wie ging es los?

Mit einer Hospitation! Im Juli ging’s zu dritt zur Villa Wewersbusch nach Velbert. Unsere Fragen waren weniger technischer Natur. Eher wollten wir wissen, wie sich das Lernen und der „Unterricht“ durch den Einsatz von Technik verändert. Welche Chancen ergeben sich? Was sind typische Fallen? Über die Ergebnisse habe ich an anderer Stelle geschrieben, daher hier nur kurz die Zusammenfassung: Die Villa setzt auf iPads, Apple TV und iTunesU als Plattform. Sie haben technisch einfache und funktionierende Lösungen gefunden und können auf dieser Basis experimentieren. Vieles läuft noch wie an jeder anderen (ggf. reformpädagogisch beeinflussten) Schule; der Paradigmenwechsel beim Leitmedium und Veränderungen, die daraus folgen, waren aber in Teilbereichen bereits zu sehen. Ein einheitliches pädagogisches Konzept war (noch) nicht zu erkennen. Aber das muss man einer solchen Schule im Aufbau zugestehen.

Wir waren dankbar: Für die Ermöglichung der Hospitation, für die Beantwortung unserer Frage, wie sich das Lernen verändern könnte oder auch, was passiert, wenn sich das Denken in den Köpfen noch nicht geändert hat, die Technik aber vorhanden ist. Philippe Wampfler wies in einem Blogeintrag zu Kahoot! zurecht auf die Tendenz zu behavioristischem Lehren und Lernen hin, und auch Axel Krommer wird nicht müde, den Konstruktivismus einzufordern, in Velbert konnte man beobachten warum: Kahoot, Socrative, Mindmaps auf Basis von Nachrichtensendungen, viel Rezipieren und Reagieren. Allerdings tut sich dort vor Ort Einiges, und Kongresse wie #ViWe17 beweisen, dass die Akteure dort eine hohe Lernbereitschaft haben.

Was mir persönlich noch fehlte, und wozu ich ein 1,5-stündiges Telefonat mit dem Geschäftsführer Florian Kesseler hatte, war ein zentraler Speicherort für das akkumulierte Wissen. Für die konsequente Kompetenzorientierung wird hier ein sehr funktionaler Wissensbegriff verwendet. Mir fehlte das Orientierungswissen für wesentliche gesellschaftliche Fragen, ohne die man z. B. „Fake News“ gar nicht als solche identifizieren kann, weil einem bei einer Meldung gar nichts komisch vorkommt. Eine reine Kompetenzorientierung würde zur Forderung führen, dass man mehrere Quellen vergleichen muss, was man aber ohne den kognitiven Konflikt nicht tut.

Wir (die stellvertretende Schulleiterin, der Netzwerkberater und ich als Abteilungsleiter für Schulentwicklung) hatten Blut geleckt und nahmen uns weitere Erkundungen für das kommende Schuljahr vor, inkl. eines Leitthemas zur „Digitalisierung“. Inzwischen würde ich mich Dejan Mihajlovic sofort anschließen, wenn er vom „zeitgemäßen Lernen“ spricht.

Noch mehr Hospitationen

Im Schuljahr 2016/17 waren wir dann beim Forum Bildung Digitalisierung in Berlin. Den Keynote Vortrag hielt Prof. Thissen. Die Freude war groß über so viel Energie im System und wir lernten viele interessante Ansätze und Schulen kennen. Und wir erfuhren auch, dass die ganzen Stiftungen, die das Forum finanzieren, doch eine sehr verengte Vorstellung von Bildung haben, die wir an unserem Gymnasium nicht so leben wollen. Hier verweise ich gerne auf die Kritik von Lisa Rosa. Hilfreich war es für das Kennenlernen für uns attraktiver Schulen.

Als erstes fuhr mein Schulentwicklungskollege mit sieben Kolleginnen und Kollegen an die Alemannenschule Wutöschingen. Das war Teil des Konzepts: Möglichst viele am Entwicklungsprozess Beteiligte Erfahrungen sammeln lassen. Über diese Schule ist schon viel geschrieben worden, und Valentin Helling ist ja quasi auf permanenter Europatournee. Es gibt ein tolles Raumkonzept, ein stimmiges pädagogisches Konzept, dass auf eine hohes Maß an Eigenständigkeit setzt und diese auch fördert und am Ende auch nachprüfbar erreicht, und eine Einbettung dieser Technik in das Lernsetting, das sowohl analog als auch digital gestaltet wird. Unsere Erkenntnis von hier: das Lernen selbst verändert sich auch hier nur sehr partiell; wir können von dieser Schule lernen, wie man effektiv die Basics für alle SuS sichert (vgl. dazu auch die Konzepte zur Leistungsmessung), dazu machen sich Gymnasien zu wenige Gedanken. Gleichzeitig braucht es für konstruktivistisch angelegte Lernsettings am Gymnasium unseres Erachtens zusätzlich weitergehende Zielsetzungen. Auch in Wutöschingen arbeitet man übrigens mit iPads und die Trägerin fördert die geleasten Geräte mit 10,- pro Monat. Die Schule ist der Leuchtturm der Stadt.

Nach zwei Gemeinschaftsschulen fehlte uns noch die Perspektive eines Gymnasiums. Da wir an einer christlichen Schule interessiert waren, ging es erneut Richtung Bodensee, an das Schloss Gaienhofen, eine Schule in evangelischer Trägerschaft der Landeskirche Baden. Hier gibt es eine Arbeitsgruppe Individualisierung, die mit großem Engagement in diesem Zusammenhang eine technische Aufrüstung durchgesetzt hat. Auch diese Schule setzt auf iPads. Es gibt eine Lernplattform (itslearning), die nach unseren Eindrücken kaum genutzt wird und auch bei Erzählungen und auf Nachfrage keine Rolle spielte. Alle LuL bekommen zum Einstieg ein iPad zur Verfügung gestellt, es gibt aber kein einheitliches Konzept zur „Individualisierung“, der Unterricht sah weitestgehend so aus wie ein gutes Gymnasium heutzutage bereits arbeitet: Frontale und dezentrale Phasen wechselten sich ab, Projekte sind an der Tagesordnung und der Umgang mit abstrakten Lerninhalten und Theorien ebenfalls.

Zwischenfazit: Einige gute Ansätze, (noch) kein einheitliches Bild, wo wir hinwollen. Wir schwimmen. Ehrlich.

 

Kick-Off-Tagung mit allen Beteiligten

Auf dieser Basis sahen wir es als unerlässlich an, mit allen am Schulleben beteiligten eine kleine Denkfabrik zu bilden, die Zukunftsentwürfe für unsere Schule entwickelt. Dazu organisierten wir eine Kick-Off-Tagung, eine Schulentwicklungsklausur mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrerinnen und Lehrern. 22 Interessierte dachten in ihrer Freizeit Freitag/Samstag mit und weiter. Mit der Methode World Café dachten wir über vier Fragen auf unterschiedlichen Ebenen nach, von abstrakt bis sehr konkret:

  1. Bildungsziele und Unterrichtsentwicklung
  2. Was lernen unsere Schülerinnen und Schüler im Profilfach „Mensch und Medien“? Was sollten alle lernen?
  3. Wie könnte ein optimiertes Methoden- und Mediencurriculum auf dieser Basis aussehen?
  4. Welche Technik brauchen wir dafür?

Dazu gab es jeweils noch Unterfragen, und in den Gruppen wurde mit abnehmender Zeit gearbeitet, so dass man beim 4. Durchgang nur noch zur Kenntnis nehmen konnte und kleine Ergänzungen möglich waren. Hier ein Bild zu Frage 1:

office-lens-20161210-103733-1.jpg

Die Ergebnisse wurden im Kollegium vorgestellt und bestanden auf technischer Seite auch darin, dass wir die Lehrkräfte mitnehmen müssen. Dazu hat uns auch Jan Weiss aus Filderstadt die Augen geöffnet. Deren Ansatz, ständig kleine attraktive Angebote zur Fortbildung zu machen, ist bei uns schon gut etabliert. Wir wollten also alle mitnehmen und begeistern (wer will das nicht?), also mussten wir einen Anknüpfungspunkt bieten, und der besteht in Office 365. Auch nicht-technikaffine Lehrer sind mit Office vertraut. Dieses Tor nutzten und nutzen wir.

Die Technik

Office 365 schauten wir uns auf der Didacta als quasi LMS an. Es gibt Lösungen verschiedenster Firmen dazu. Was es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab, war ein Kommunikationssystem innerhalb von Office 365 zum fachlichen Austausch mit den Kursen/Klassen. Die Anbieter empfahlen Skype for Business. Inzwischen ist dieses Problem dank Microsoft Teams erledigt.

Wir hatten dank meines OneNote-Kurses in der Oberstufe bereits Erfahrungen gesammelt und auch einige Kolleginnen und Kollegen von dieser Art zu arbeiten überzeugt. Damit meine ich OneNote als Wissenshub, nicht als alleinige Lösung für alles. Aber vieles, wofür man sonst verschiedene Apps braucht und sich einarbeiten muss, geht eben auch in diesem System (Quizzes, Bildergeschichten sortieren und schreiben, Peer Correction, überhaupt Kolloboration jeglicher Art, gemeinsame „Tafelanschriebe“, Visualisierungen, Audio-Aufnahmen, Einbindung von YouTube uvm.).

Nun fehlte uns noch eine bezahlbare und stabile Hardware-Lösung. Wir gingen sehr ergebnisoffen an diese Frage heran, wohl wissend, dass sich viele Schulen für iPads und Apple TVs entschieden hatten. Unser W-Lan-Netz war und ist vorhanden und halbwegs stabil, in den Testräumen bereits sehr gut. Auch hier ist noch Arbeit zu erledigen.

Auf der Didacta hatten wir lange Gespräche mit verschiedenen Anbietern. Sehr hilfreich war dabei Martin Rist von HP, einer der wenigen Firmenvertreter, die auch gerne pädagogisch denken und die Probleme offen ansprechen, auch das Problem der Haltbarkeit der Geräte.

Was wir wollten:

  1. Stiftbedienung möglich
  2. Haltbar und ordentlich verarbeitet
  3. Einfach zu wartendes System
  4. Kosten unter 400,-

Natürlich haben viele Hersteller ein solches System prinzipiell im Angebot, aber schaut man sich die Erfahrungen mit Windows-Systemen an verschiedenen Schulen an, so zeigt sich, dass dies im Oberstufenbereich ganz gut funktionieren kann, aber Kriterium 3 in Unter- und Mittelstufe sehr wichtig wird. Wir sind schließlich Pädagogen und wollen/können nicht den ganzen Tag technische Probleme lösen. Wir ließen uns verschiedene Geräte zuschicken und testeten sie in den Klassenräumen, auch mit den verschiedensten Streaming-Sticks. Vielen brauchen wir nicht zu sagen, dass die zuverlässigte Lösung, die außerdem als einzige die Differenzierung nach Räumen zulässt, ohne dass jemand vom Nachbarraum darauf zugreift, ein Apple TV war und ist.

Wir entschieden uns daher, weiter offen zu bleiben und eine vorläufige und bezahlbare Lösung zu finden (in diesem Bereich ist alles vorläufig). D. h. wir testen mit unseren Schülern die neuen iPads von 2017 für ca. 350,- mit dem Nachteil, dass keine Stiftbedienung möglich ist. Das ist schade, aber der Preis, den wir für die Erfüllung der uns wichtigeren Kriterien zahlen müssen. Auch diejenigen Eltern, die Angst haben, Ihre Kinder würden das Schreiben auf Papier verlernen, nehmen wir so mit. iPads sind gut wartbar und stabil. Für das Mobile Device Management (MDM) entschieden wir uns aus Kostengründen auch für eine günstige vorläufige Lösung, nämlich Zuludesk, das mit 5,- pro Jahr pro Gerät gut leistbar ist.

Die Oberstufe soll selbst entscheiden können, mit welchem Gerät sie arbeiten will. Das wird weitere Probleme mit sich bringen, aber hier wäre es gut, wenn Eltern mit ihren Kindern entscheiden können, im Hinblick aufs Studium ein von ihnen dann selbst zu wartendes 2 in 1 Convertible o.ä. anzuschaffen.

Pädagogischer Tag als Barcamp

Im April 2017 stellten wir alle Varianten dem Kollegium bei einem Pädagogischen Tag vor. Den Weg zum Umdenken ebnete Axel Krommer mit seinem sehr gelungenen und kurzweiligen Impulsvortrag zum „Unterricht in Zeiten der Digitalisierung“, in dem er deutlich machte, wie unsere Schule (und alle anderen mit) durch den Übergang von der Gutenberg-Galaxis in die Turing-Galaxis bildlich auf den Kopf gestellt wird. Anschließend boten Kolleginnen und Kollegen Impulse und Entwicklungsideen für den Unterricht, wenn die Geräte denn mal im Einsatz sind bzw. wie man die Handys der Schülerinnen und Schüler gewinnbringend nutzen kann. Vielen wurde da erst klar, wie verbreitet der unterrichtliche Einsatz der Handys z. B. in Sport bzw. den Naturwissenschaften bereits ist. Das Programm und die Workshops finden sich an anderer Stelle hier im Blog. Fazit des Kollegiums: „Danke, dass Ihr auch uns Dinosaurier mitgenommen habt“ und: „Mir brummt der Schädel, das verändert ja ALLES!“. Es ist das gleiche Gefühl, das man hat, wenn man zum ersten Mal auf einem Educamp ist.

Forum Schulentwicklung und Schulkonferenz

Es folgte dann noch die Aussprache mit den Eltern, die ja am Prozess immer beteiligt waren, im Rahmen unseres Forums Schulentwicklung und auch im Rahmen der Schulkonferenz. Wir vereinbarten, einen kleinen technischen Testlauf zu machen und im kommenden Schuljahr über Finanzierungsfragen zu sprechen.

Entscheidung der Schulleitung: Pilot

Aktuell ist der Stand so: Die Schulleitung hat entschieden, dass wir einen Satz mit 30 iPads anschaffen. Diesen testen wir in mehreren Räumen mit den neu einzurichtenden Informatik-Kursen in Klasse 7 (laut Bildungsplan 2016). Läuft die Technik, gehen wir an die Fortbildung der Lehrkräfte und reden mit den Eltern über die Finanzierung im kommenden Schuljahr. Der Plan ist, im kommenden Schuljahr zu einer 1:1 Ausstattung ab Klasse 7 zu kommen (die anschließend hochwächst). Der Satz mit den 30 iPads kann dann als Leihsatz in den Klassen 5 und 6 eingesetzt werden. Als Basis wird Office 365 mit seinen Apps dienen, als Rahmen Microsoft Teams. Updates dazu dann im Laufe des Schuljahres, in dem dieser Beitrag vielleicht auch noch einmal überarbeitet und ergänzt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pädagogischer Tag: Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung für eine evangelische Schule

Hier schonmal ein erster Einblick in Programm und Vorbereitung. Eine Kommentierung folgt, sobald ich die Zeit dazu finde.

8:00 Begrüßung und Einführung
8:15 Vortrag Axel Krommer (Uni Erlangen-Nürnberg):

„Unterricht im Zeichen der Digitalisierung“

9:15 Rückfragen zum Vortrag
9:30 Frühstückspause
9:45 Szenarien: Firstwald 2025

Traumszenario 1: Wie haben digitale Medien unseren Unterricht verändert und bereichert?

 

Traumszenario 2: Welche organisatorischen Bereiche der Schule wurden durch Digitalisierung vereinfacht/verbessert?

 

Horrorszenario: Alle schlimmen Befürchtungen sind wahr geworden (organisatorisch wie unterrichtlich). Welche sind das? Wie hätten wir das verhindern können?

 

Konkrete Vorschläge: Wie könnte eine zukunftsfähige Medienregelung aussehen, wenn alle Schülerinnen und Schüler z. B. mit Tablets arbeiten? (Vorschlag für den Konvent)

10:45 Einführung in die Werkstätten
11:00 Werkstatt-Phase 1
11:30 Pause
11:45 Werkstatt-Phase 2
12:15 Mittagessen
13:00 Werkstatt-Phase 3
13:30 Pause
13:45 Highspeed-Werkstatt-Phase 4 (2 x 15 min)
14:15 Fazit, Feedback & Ausblick
15:00 Ende

Bitte bringt mit: Smartphone, Computer oder Tablet, bereits eingeloggt ins Schul-W-Lan

 

 

Werkstätten (die Kolleginnen und Kollegen angeboten haben)

Anmeldezettel Werkstatt Digitalisierung

Eine Werkstatt anbieten – Wie funktioniert das?

Vorträge vom Kongress „Lernen der Zukunft“ #ViWe17

Liebe Interessierte,

hier wie versprochen die Links zu meinen Präsentationen zum Kongress „Lernen der Zukunft“ am 4.03.2017.

Thema 1: Unterrichten mit dem Kursnotizbuch – OneNote als Hub für das Wissen im kollaborativen Arbeiten

Thema 2: Schulentwicklung in Zeiten der Digitalisierung – Wie können wir Veränderungen anstoßen?

 

 

Vielen Dank fürs Mitdenken. Ich freue mich über Feedback, auch im Nachhinein.

 

 

Für die #edchatde Community zur Info

Hintergrund der aktuellen Turbulenzen ist die Kritik an der Kommunikation des Buchs zum #edchatde. Die Community wurde mit dem #geheimprojekt von den Herausgebern und #edchatde Foundern vor vollendete Tatsachen gestellt. Dies wurde verschiedentlich und aus unterschiedlicher Sichtweise kritisiert, z. B. hier, hier und hier (in chronologischer Reihenfolge). Ingesamt verlief die Kommunikation zunächst einfach unglücklich, denn das Ziel finden ja alle gut.

Leider wurde weder von Seiten der #edchatde Founder in irgendeiner Form auf die Kritik eingegangen, noch die Diskussion über den Prozess als Thema akzeptiert. Im Gegenteil: Es wurden von Seiten der Founder sogar noch provozierende Subtweets abgesetzt, die sich eindeutig auf diese Diskussion beziehen.

Daraufhin sind einige Moderatoren zurückgetreten, die die Kritik der Community entweder verstehen können oder sie sogar teilen.

Meine Perspektive: Ich will den Austausch, möchte mich aber auch über Probleme offen unterhalten können, gerade in einem solchen Netzwerk. Wenn das nicht möglich ist, dann bedarf es eines Neustarts, über den gerade viele gemeinsam nachdenken.

Lernplattformen an Schulen – Eine Umfrage

Im Februar 2017 fragte ich per Twitter die medienaffinen Lehrkräfte (und ja, auch Universitätsmitarbeiter fühlten sich angesprochen) nach den genutzten Lernplattformen. Das Ergebnis ist im Bild zu sehen. Es zeigt vor allem, dass Moodle (noch) sehr verbreitet ist – auch, weil es in manchen Bundesländern vorgeschrieben ist. Die Plattform DiLer wurde in einem Zeitraum von 20 min eingetragen, vermutlich nicht von den einzelnen Schulen, daher (und auch nicht nur deshalb) ist das Ergebnis natürlich nicht repräsentativ. Die geringe Verbreitung von itslearning hat mich etwas überrascht, ist sie doch in den nordeuropäischen Ländern sehr stark vertreten.

Unter Sonstige (16,7%) sind vertreten: 4x iServ, 2x Mebis, 1x itslearning (falsch eingetragen), 1x Google (vermutlich Drive oder Classroom), 1x Wiki und 1x Edmodo.

Die Problematik vieler Plattformen liegt darin, dass sie unattraktiv sind, schwer zugänglich für die Nutzer (mit technischen Hürden versehen), komplex und/oder unübersichtlich sind und ggf. nicht mobil zugänglich, was im übrigen der Grund dafür ist, dass ich selbst mit einem OneNote Kursnotizbuch gestartet bin. Daher habe ich gefragt, wie aktiv die Plattform genutzt wird:

Moodle: fast 2/3 aller Rückmelder haben angegeben, dass die Plattform von 0-25% genutzt wird (20 von 33), dagegen 10% (3 von 33), dass sie von 75-100% genutzt wird.

DiLer: Die Plattform kommt auf deutlich höhere Nutzungswerte als Moodle, sicherlich auch daher, da sie für eine spezielle Arbeitsweise an der Gemeinschaftsschule in Wutöschingen entwickelt wurde und genau aus diesem Grund von einigen weiteren Schulen des gleichen Typs übernommen wurde: An etwa der Hälfte aller Schulen nutzen sie 75-100% der Mitarbeiter.

Für die anderen Plattformen lassen sich keine Aussagen aus den Zahlen treffen, da die Datenbasis zu gering ist.

„Was nicht einfach geht, geht einfach nicht.“

Die Gedanken unserer Schule dazu lauten bisher: Wir wollen eine einfache und attraktive Plattform ohne viel technischen Schnickschnack und mit langfristigem Support. Wir liebäugeln mit Office 365 als Basis: Kursnotizbücher, ggf. Microsoft Classroom, Skype for Business als Chat-Variante für die Kurse, und einer Schulöffentlichkeit über SharePoint; auch eine Verknüpfung mit Untis ist gut zu realisieren. Dies ist datenschutzrechtlich derzeit noch nicht zugelassen, aus dem KuMi Baden-Württemberg kommen aber positive Signale. Der Vorteil dieser Lösung: Nicht-medienaffine Lehrkräfte kennen sich bereits aus, es ist relativ einfach umzusetzen und die Weiterentwicklung ist rasant.