Archiv für den Monat März 2016

Ein Pädagogischer Tag zur Lehrergesundheit als Barcamp

Lehrergesundheit – ein Thema für Nörgler? Ein Thema für Jammerer? Und die dann auch noch beteiligen an der Planung und an der Durchführung eines solchen Tages? Und das soll noch konstruktiv werden?

Erhebung mit IEGL

Am Beginn stand das Bedürfnis des Kollegiums, die Lehrergesundheit als Jahresthema zu setzen und an mehreren Punkten im Jahr in den Fokus zu rücken – und die Sorge der Schulleitung, dass dies wenig hilfreich und eher kontraproduktiv sein könnte, wenn die Stimmung kippt und sich jeder dadurch umso mehr belastet fühlt.

Zu Beginn stand eine Erhebung, die im Zusammenhang  mit der großen Potsdamer Lehrerstunde entwickelt wurde und ein paar belastbare Zahlen für die Weiterarbeit bietet. Wo drückt der Schuh? Was sind die neuralgischen Punkte? Gleichzeitig muss man sagen, dass ein Kollegium meist ein sehr gutes Gespür dafür hat, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann.

Weitere Informationen dazu gibt es hier: http://www.ichundmeineschule.eu/index.php?diagnostik-iegl

Die Erhebung wird praktisch zum Selbstkostenpreis angeboten und ist ein brauchbares Instrument für den Start.

Die Vorbereitungsgruppe

Die Ergebnisse der Erhebung wurden dann dem Schulleitungsteam vorgestellt, welches sie für eine Arbeitsgruppe freigegeben hat, die in diesem Prozess als Steuergruppe dient. Sie war zusammengesetzt aus jung bis alt und bestand aus besonders Interessierten am Thema Lehrergesundheit, weil sie bereits besonders gut auf sich achten oder weil sie sich selbst Orientierung erhofften. Die Mischung macht’s, wie immer.

Eine Ausnahme: Individuelle Rückmeldungen, die in der Erhebung ebenfalls möglich waren, blieben im Rahmen der Schulleitung. Aus diesen wurde weitere „Werkstätten“ für das spätere Barcamp abgeleitet.

Mithilfe eines Moderators aus dem IEGL-Programm wurden die Ergebnisse dann gedeutet. Eine Erkenntnis war, dass wir eine sehr gesunde Schule sind (verglichen mit dem Schnitt aus der Potsdamer Lehrerstudie), aber dass es natürlich Arbeitsfelder gibt, die die KollegInnen aber konkret benennen können und für die sie sogar schon Lösungsvorschläge einbringen. Demnach konnte der pädagogische Tag auch quasi ohne externe Hilfe gestaltet werden. Dies war allerdings auch die Voraussetzung dafür.

Der Pädagogische Tag als Barcamp

Es wurde schnell klar, dass der Tag zwei Perspektiven benötigt: Den Blick auf die Organisation und individuelle Angebote. Immer wichtig bei einem Barcamp: Gutes Essen und Getränke, eine straffe Zeitplanung und gute Protokolle. Mindestens genauso wichtig: Aktive Teilnehmer (ggf. Anbieter von Sessions). Die Sessions heißen bei uns „Werkstätten“, damit kann man ein Kollegium eher überzeugen. Die Themen der Werkstätten waren durch die Studie vorgegeben, wurden als offene Liste vorher ausgehängt, durften durch das Kollegium priorisiert und ggf. erweitert werden. Wichtig war uns, dass keine Interpretation vorgenommen wurde.

Zwei Beispiele für Werkstätten (abgeleitet von der Erhebung):

Werkstatt 1: Erfreuliche Ergebnisse der Studie – Das Kollegium empfindet eine hohe sozial-emotionale Unterstützung / Die Zusammenarbeit mit SchülerInnen und Eltern wird als positiv empfunden.

Werkstatt 2: Es fehlen Erholungsmöglichkeiten an der Schule.

Es gab weitere durchaus brisante Werkstattthemen (insgesamt 11 Themen in 15 Werkstätten, also jeweils 7-8 parallel), die aber alle sehr konstruktiv gearbeitet haben. Der Schlüssel ist m. E. ein gutes Protokoll und eine Fragestellung, die genau diese Lösungsorientierung in den Vordergrund rückt.

Die Wahl der Werkstätten fand per „Abstimmung mit den Füßen“ statt. Zentrale Themen waren in jeder Werkstattschicht im Angebot, so dass eine Gruppe z.B. vorarbeiten konnte und eine andere dort weitergemacht hat. Weitere Vorgaben gab es nicht, die Gruppen organisierten sich selbstständig.

Hier mal das Programm: Pädagogischer Tag 2016

Und hier das Protokoll der Werkstätten: Sessions Protokolle Dokumentation

Wir haben den Bereich zu den „Problemen“ bei Positiv-Werkstätten durch „Gründe“ und  den Bereich „Lösungsmöglichkeiten“ durch „Ausbaumöglichkeiten“ ersetzt.

Die Protokolle wurden kurz vorgestellt, zentral ausgehängt, digitalisiert und per Mail an alle verschickt.

Die Ergebnisse gehen jetzt ins Schulleitungsteam und von da aus wieder in die zentrale Lehrerkonferenz (bei uns Lehrerrat genannt), wo konkrete Beschlüsse gefasst werden können. Manchmal geht es aber auch um Stellschrauben, die die Schulleitung selbst drehen kann.

Tipps für ein Barcamp mit dem Lehrerkollegium

Wer so etwas wie ein „Barcamp“ machen möchte, dem würde ich empfehlen, auf zu viel hippes Vokabular zu verzichten, gründlich das Prinzip zu erläutern und die Chance zu betonen, das eigene Thema auf die Agenda zu bringen. Wir haben es mit einem kurzen Film zum Barcamp-Prinzip sowie einem kurzen Handzettel erläutert.

Eine Werkstatt anbieten – Wie funktioniert das

Heute, am Tag danach, sprach mich eine sehr erfahrene Kollegin an und sagte, dass sie ja krankheitsbedingt die Werkstätten-Tagung am Schuljahresende (unser erster  Versuch mit insgesamt 42 durch KollegInnen angebotene Werkstätten) verpasst hätte und bei dem Prinzip „Barcamp“ skeptisch gewesen sei, aber es sei richtig toll gewesen. Und das finde ich wiederum toll.

Hier noch ein paar Eindrücke vom Start in den Tag, der Frage, was uns Kraft für den Alltag gibt:

Evernote Snapshot 20160229 095609

 

 

 

 

 

 

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