Archiv für den Monat Februar 2017

Für die #edchatde Community zur Info

Hintergrund der aktuellen Turbulenzen ist die Kritik an der Kommunikation des Buchs zum #edchatde. Die Community wurde mit dem #geheimprojekt von den Herausgebern und #edchatde Foundern vor vollendete Tatsachen gestellt. Dies wurde verschiedentlich und aus unterschiedlicher Sichtweise kritisiert, z. B. hier, hier und hier (in chronologischer Reihenfolge). Ingesamt verlief die Kommunikation zunächst einfach unglücklich, denn das Ziel finden ja alle gut.

Leider wurde weder von Seiten der #edchatde Founder in irgendeiner Form auf die Kritik eingegangen, noch die Diskussion über den Prozess als Thema akzeptiert. Im Gegenteil: Es wurden von Seiten der Founder sogar noch provozierende Subtweets abgesetzt, die sich eindeutig auf diese Diskussion beziehen.

Daraufhin sind einige Moderatoren zurückgetreten, die die Kritik der Community entweder verstehen können oder sie sogar teilen.

Meine Perspektive: Ich will den Austausch, möchte mich aber auch über Probleme offen unterhalten können, gerade in einem solchen Netzwerk. Wenn das nicht möglich ist, dann bedarf es eines Neustarts, über den gerade viele gemeinsam nachdenken.

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Lernplattformen an Schulen – Eine Umfrage

Im Februar 2017 fragte ich per Twitter die medienaffinen Lehrkräfte (und ja, auch Universitätsmitarbeiter fühlten sich angesprochen) nach den genutzten Lernplattformen. Das Ergebnis ist im Bild zu sehen. Es zeigt vor allem, dass Moodle (noch) sehr verbreitet ist – auch, weil es in manchen Bundesländern vorgeschrieben ist. Die Plattform DiLer wurde in einem Zeitraum von 20 min eingetragen, vermutlich nicht von den einzelnen Schulen, daher (und auch nicht nur deshalb) ist das Ergebnis natürlich nicht repräsentativ. Die geringe Verbreitung von itslearning hat mich etwas überrascht, ist sie doch in den nordeuropäischen Ländern sehr stark vertreten.

Unter Sonstige (16,7%) sind vertreten: 4x iServ, 2x Mebis, 1x itslearning (falsch eingetragen), 1x Google (vermutlich Drive oder Classroom), 1x Wiki und 1x Edmodo.

Die Problematik vieler Plattformen liegt darin, dass sie unattraktiv sind, schwer zugänglich für die Nutzer (mit technischen Hürden versehen), komplex und/oder unübersichtlich sind und ggf. nicht mobil zugänglich, was im übrigen der Grund dafür ist, dass ich selbst mit einem OneNote Kursnotizbuch gestartet bin. Daher habe ich gefragt, wie aktiv die Plattform genutzt wird:

Moodle: fast 2/3 aller Rückmelder haben angegeben, dass die Plattform von 0-25% genutzt wird (20 von 33), dagegen 10% (3 von 33), dass sie von 75-100% genutzt wird.

DiLer: Die Plattform kommt auf deutlich höhere Nutzungswerte als Moodle, sicherlich auch daher, da sie für eine spezielle Arbeitsweise an der Gemeinschaftsschule in Wutöschingen entwickelt wurde und genau aus diesem Grund von einigen weiteren Schulen des gleichen Typs übernommen wurde: An etwa der Hälfte aller Schulen nutzen sie 75-100% der Mitarbeiter.

Für die anderen Plattformen lassen sich keine Aussagen aus den Zahlen treffen, da die Datenbasis zu gering ist.

„Was nicht einfach geht, geht einfach nicht.“

Die Gedanken unserer Schule dazu lauten bisher: Wir wollen eine einfache und attraktive Plattform ohne viel technischen Schnickschnack und mit langfristigem Support. Wir liebäugeln mit Office 365 als Basis: Kursnotizbücher, ggf. Microsoft Classroom, Skype for Business als Chat-Variante für die Kurse, und einer Schulöffentlichkeit über SharePoint; auch eine Verknüpfung mit Untis ist gut zu realisieren. Dies ist datenschutzrechtlich derzeit noch nicht zugelassen, aus dem KuMi Baden-Württemberg kommen aber positive Signale. Der Vorteil dieser Lösung: Nicht-medienaffine Lehrkräfte kennen sich bereits aus, es ist relativ einfach umzusetzen und die Weiterentwicklung ist rasant.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch zum #edchatde -Eine Frage des Stils

Es gibt ein Buch zu den Ergebnissen der Twitter-Community #edchatde – und das ist auch gut so!

Es ist der Initiative von Torsten Larbig und André Spang zu verdanken, dass sie diese Form der Kommunikation und des Austauschs initiiert und moderiert haben. Sie haben natürlich das (Vor-)Recht, hier auch als Herausgeber zu fungieren und die besten Ideen einem nicht-technikaffinen Publikum näherzubringen.

Dieser Beitrag soll nicht die Argumente von Philippe Wampflers Rezension wiederholen, die ich mir auch nicht vollständig zu eigen machen möchte. Aber einen Satz darf ich daraus herausgreifen:

Das Projekt verstößt auf den ersten Blick gegen von den Herausgebern hochgehaltenen Prinzipien, es ist das Resultat der Arbeit einer Community, ohne wirklich das Resultat der Arbeit einer Community zu sein.

Ich glaube, das ist der Aspekt, der mich in den letzten Wochen seit Bekanntwerden der Veröffentlichung am meisten gestört und zum Nachdenken angeregt hat. Dazu muss ich der Transparenz halber darauf hinweisen, dass ich selbst als Autor und auch als Moderator in einem Netzwerk für Cornelsen tätig war und bin, und auch in der Tätigkeit als Herausgeber eines Buchs zum Abitur im eigenen Takt (allerdings für einen anderen Verlag) meine Erfahrungen gemacht habe. Daher einige Gedanken, nachdem ich auf der Didacta 2o17 die Gelegenheit hatte, mit den vom Verlag verantwortlichen Personen über das Projekt zu reden:

  1. Der Verlag hat m. E. klug gehandelt, indem er eine innovative Idee (Art der Veröffentlichung, Inhalt) vorangetrieben hat, ohne dass hier ein großer kommerzieller Erfolg zu erwarten ist. Das ist aller Ehren wert.
  2. Eine gewisse Geheimhaltung ist nötig, um ein solches Projekt zu realisieren, da die Konkurrenz sonst dazu führt, dass die Idee anderweitig umgesetzt wird. Dieses Buch hatte eine Vorlaufzeit von ca. 1 Jahr, was in der Verlagsbranche wenig ist – d. h. es wurde unter einem relativ hohen Zeitdruck gearbeitet.
  3. Es ist schwierig für Herausgeber, eine Auswahl der Autoren zu treffen. Sie sollen kompetent sein, gleichzeitig darf die Streuung bei den Inhalten nicht zu groß sein. Die Organisation eines (nicht zu großen) Teams für die Gestaltung eines solchen Buchs ist eine Herausforderung.
  4. Gleichzeitig wurde hier ein großer Teil der #edchatde-Community vor vollendete Tatsachen gestellt und damit auch vor den Kopf gestoßen. Denn wir Teilgeber werden z. T. fast in jedem der vielen Artikel zitiert, mal unter Angabe des Namens, mal unter Angabe des Pseudonyms, manchmal leider nur am Ende des Buchs, haben also einen nicht unerheblichen Anteil an der Ideensammlung, die in dem Buch präsentiert wird.
  5. Die rechtliche Frage der Zitation von „Twitter-Ideen“ ist dabei für mich unerheblich. Ich finde es gut, dass gute Ideen verbreitet werden. Sonst wäre ich nicht bei Twitter, wo ich und wir alle massiv von den Ideen anderer profitieren. Auch dafür bin ich der #edchatde-Community sehr dankbar.

Die Verlagsverantwortlichen stellen zurecht die Rückfrage, wie ich es gemacht hätte: Ich hätte die Community darüber informiert, dass ein Buch geplant ist, einen Strukturvorschlag gemacht und angeboten, einen Teil zu übernehmen. Das hätte dem Geist der Community entsprochen und ich teile hier nicht die Ansicht des Verlags, dass eine Masse an Überengagierten im #edchatde damit das Projekt zu Fall gebracht hätte. Aber das können wir ja vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mal wieder ausprobieren.

Was ich den Herausgebern vorwerfe, ist, dass sie diese Kritikpunkte nicht aufgreifen bzw. auf sie reagieren. Ich habe dazu zumindest noch nichts gelesen, lasse mich aber gerne korrigieren. Das finde ich keinen guten Stil und einfach schade. Der zum Buch produzierte Film verstärkt diesen Eindruck leider. Genau deshalb habe ich gestern insgesamt eine Stunde mit den Verlagsverantwortlichen zu diesem Thema gesprochen, inwiefern der Prozess als #geheimprojekt nötig war. Wer mir jetzt eine „typisch deutsche Neiddebatte“ vorwerfen will, darf das gerne tun. Mir geht es um den Community-Gedanken – das Mindeste wäre die Information gewesen.

Aber vielleicht beim nächsten Mal dann, was meint Ihr? Ich würde mich freuen.