Das Buch zum #edchatde -Eine Frage des Stils

Es gibt ein Buch zu den Ergebnissen der Twitter-Community #edchatde – und das ist auch gut so!

Es ist der Initiative von Torsten Larbig und André Spang zu verdanken, dass sie diese Form der Kommunikation und des Austauschs initiiert und moderiert haben. Sie haben natürlich das (Vor-)Recht, hier auch als Herausgeber zu fungieren und die besten Ideen einem nicht-technikaffinen Publikum näherzubringen.

Dieser Beitrag soll nicht die Argumente von Philippe Wampflers Rezension wiederholen, die ich mir auch nicht vollständig zu eigen machen möchte. Aber einen Satz darf ich daraus herausgreifen:

Das Projekt verstößt auf den ersten Blick gegen von den Herausgebern hochgehaltenen Prinzipien, es ist das Resultat der Arbeit einer Community, ohne wirklich das Resultat der Arbeit einer Community zu sein.

Ich glaube, das ist der Aspekt, der mich in den letzten Wochen seit Bekanntwerden der Veröffentlichung am meisten gestört und zum Nachdenken angeregt hat. Dazu muss ich der Transparenz halber darauf hinweisen, dass ich selbst als Autor und auch als Moderator in einem Netzwerk für Cornelsen tätig war und bin, und auch in der Tätigkeit als Herausgeber eines Buchs zum Abitur im eigenen Takt (allerdings für einen anderen Verlag) meine Erfahrungen gemacht habe. Daher einige Gedanken, nachdem ich auf der Didacta 2o17 die Gelegenheit hatte, mit den vom Verlag verantwortlichen Personen über das Projekt zu reden:

  1. Der Verlag hat m. E. klug gehandelt, indem er eine innovative Idee (Art der Veröffentlichung, Inhalt) vorangetrieben hat, ohne dass hier ein großer kommerzieller Erfolg zu erwarten ist. Das ist aller Ehren wert.
  2. Eine gewisse Geheimhaltung ist nötig, um ein solches Projekt zu realisieren, da die Konkurrenz sonst dazu führt, dass die Idee anderweitig umgesetzt wird. Dieses Buch hatte eine Vorlaufzeit von ca. 1 Jahr, was in der Verlagsbranche wenig ist – d. h. es wurde unter einem relativ hohen Zeitdruck gearbeitet.
  3. Es ist schwierig für Herausgeber, eine Auswahl der Autoren zu treffen. Sie sollen kompetent sein, gleichzeitig darf die Streuung bei den Inhalten nicht zu groß sein. Die Organisation eines (nicht zu großen) Teams für die Gestaltung eines solchen Buchs ist eine Herausforderung.
  4. Gleichzeitig wurde hier ein großer Teil der #edchatde-Community vor vollendete Tatsachen gestellt und damit auch vor den Kopf gestoßen. Denn wir Teilgeber werden z. T. fast in jedem der vielen Artikel zitiert, mal unter Angabe des Namens, mal unter Angabe des Pseudonyms, manchmal leider nur am Ende des Buchs, haben also einen nicht unerheblichen Anteil an der Ideensammlung, die in dem Buch präsentiert wird.
  5. Die rechtliche Frage der Zitation von „Twitter-Ideen“ ist dabei für mich unerheblich. Ich finde es gut, dass gute Ideen verbreitet werden. Sonst wäre ich nicht bei Twitter, wo ich und wir alle massiv von den Ideen anderer profitieren. Auch dafür bin ich der #edchatde-Community sehr dankbar.

Die Verlagsverantwortlichen stellen zurecht die Rückfrage, wie ich es gemacht hätte: Ich hätte die Community darüber informiert, dass ein Buch geplant ist, einen Strukturvorschlag gemacht und angeboten, einen Teil zu übernehmen. Das hätte dem Geist der Community entsprochen und ich teile hier nicht die Ansicht des Verlags, dass eine Masse an Überengagierten im #edchatde damit das Projekt zu Fall gebracht hätte. Aber das können wir ja vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mal wieder ausprobieren.

Was ich den Herausgebern vorwerfe, ist, dass sie diese Kritikpunkte nicht aufgreifen bzw. auf sie reagieren. Ich habe dazu zumindest noch nichts gelesen, lasse mich aber gerne korrigieren. Das finde ich keinen guten Stil und einfach schade. Der zum Buch produzierte Film verstärkt diesen Eindruck leider. Genau deshalb habe ich gestern insgesamt eine Stunde mit den Verlagsverantwortlichen zu diesem Thema gesprochen, inwiefern der Prozess als #geheimprojekt nötig war. Wer mir jetzt eine „typisch deutsche Neiddebatte“ vorwerfen will, darf das gerne tun. Mir geht es um den Community-Gedanken – das Mindeste wäre die Information gewesen.

Aber vielleicht beim nächsten Mal dann, was meint Ihr? Ich würde mich freuen.

 

 

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2 Gedanken zu „Das Buch zum #edchatde -Eine Frage des Stils

  1. Peter Ringeisen

    Für den Großteil dieses Posts vielen Dank.
    Was sollte – deiner Meinung nach – eine Reaktion der Initiatoren denn enthalten … außer: Ja, es gibt einen Widerspruch zwischen deinen Punkten 2/3 einerseits und 4 andererseits, und wir haben uns für 2/3 entschieden, weil es sinnvoller zu organisieren war?
    Ich weiß nicht, ob das die Antwort wäre, aber ich kann es mir vorstellen. Würde das deine Enttäuschung mildern? Du nennst die Argumente ja selbst, die für das Vorgehen sprechen, wie es eben gewählt wurde.
    Nimm an, es wäre im Frühjahr 2016 öffentlich gemacht worden, dass ein solches Projekt geplant ist. Abgesehen von der hypothetischen Möglichkeit, dass jemand eventuell versucht hätte, ein Konkurrenzprojekt schneller durchzuziehen, wäre das weitere Prozedere schwer steuerbar geworden. Es wäre der Eindruck entstanden, jeder könne bei der Auswahl der Themen mitreden, bei Art, Umfang und Häufigkeit der Nennung von Tweets bestimmter Autoren usw. Das alles hätte einen enormen organisatorischen Aufwand bedeutet – zusätzlich zu der Arbeit, die mit dem Buchprojekt ansonsten verbunden war. Ganz zu schweigen davon, dass die Teams, die das Projekt #EDchatDE für die Community organisieren, ohnehin das Jahr hindurch einen gewissen Teil ihrer Freizeit damit verbringen. Wenn ich von mir auf andere schließen kann: Wir machen es gern, sonst würden wir’s nicht tun, aber mit einem „swish and flick“ des Zauberstabs ist es nicht getan. Nox.

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  2. Pingback: #edchatde – eine Replik – Schule und Social Media

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