Lernplattformen an Schulen – Eine Umfrage

Im Februar 2017 fragte ich per Twitter die medienaffinen Lehrkräfte (und ja, auch Universitätsmitarbeiter fühlten sich angesprochen) nach den genutzten Lernplattformen. Das Ergebnis ist im Bild zu sehen. Es zeigt vor allem, dass Moodle (noch) sehr verbreitet ist – auch, weil es in manchen Bundesländern vorgeschrieben ist. Die Plattform DiLer wurde in einem Zeitraum von 20 min eingetragen, vermutlich nicht von den einzelnen Schulen, daher (und auch nicht nur deshalb) ist das Ergebnis natürlich nicht repräsentativ. Die geringe Verbreitung von itslearning hat mich etwas überrascht, ist sie doch in den nordeuropäischen Ländern sehr stark vertreten.

Unter Sonstige (16,7%) sind vertreten: 4x iServ, 2x Mebis, 1x itslearning (falsch eingetragen), 1x Google (vermutlich Drive oder Classroom), 1x Wiki und 1x Edmodo.

Die Problematik vieler Plattformen liegt darin, dass sie unattraktiv sind, schwer zugänglich für die Nutzer (mit technischen Hürden versehen), komplex und/oder unübersichtlich sind und ggf. nicht mobil zugänglich, was im übrigen der Grund dafür ist, dass ich selbst mit einem OneNote Kursnotizbuch gestartet bin. Daher habe ich gefragt, wie aktiv die Plattform genutzt wird:

Moodle: fast 2/3 aller Rückmelder haben angegeben, dass die Plattform von 0-25% genutzt wird (20 von 33), dagegen 10% (3 von 33), dass sie von 75-100% genutzt wird.

DiLer: Die Plattform kommt auf deutlich höhere Nutzungswerte als Moodle, sicherlich auch daher, da sie für eine spezielle Arbeitsweise an der Gemeinschaftsschule in Wutöschingen entwickelt wurde und genau aus diesem Grund von einigen weiteren Schulen des gleichen Typs übernommen wurde: An etwa der Hälfte aller Schulen nutzen sie 75-100% der Mitarbeiter.

Für die anderen Plattformen lassen sich keine Aussagen aus den Zahlen treffen, da die Datenbasis zu gering ist.

„Was nicht einfach geht, geht einfach nicht.“

Die Gedanken unserer Schule dazu lauten bisher: Wir wollen eine einfache und attraktive Plattform ohne viel technischen Schnickschnack und mit langfristigem Support. Wir liebäugeln mit Office 365 als Basis: Kursnotizbücher, ggf. Microsoft Classroom, Skype for Business als Chat-Variante für die Kurse, und einer Schulöffentlichkeit über SharePoint; auch eine Verknüpfung mit Untis ist gut zu realisieren. Dies ist datenschutzrechtlich derzeit noch nicht zugelassen, aus dem KuMi Baden-Württemberg kommen aber positive Signale. Der Vorteil dieser Lösung: Nicht-medienaffine Lehrkräfte kennen sich bereits aus, es ist relativ einfach umzusetzen und die Weiterentwicklung ist rasant.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Buch zum #edchatde -Eine Frage des Stils

Es gibt ein Buch zu den Ergebnissen der Twitter-Community #edchatde – und das ist auch gut so!

Es ist der Initiative von Torsten Larbig und André Spang zu verdanken, dass sie diese Form der Kommunikation und des Austauschs initiiert und moderiert haben. Sie haben natürlich das (Vor-)Recht, hier auch als Herausgeber zu fungieren und die besten Ideen einem nicht-technikaffinen Publikum näherzubringen.

Dieser Beitrag soll nicht die Argumente von Philippe Wampflers Rezension wiederholen, die ich mir auch nicht vollständig zu eigen machen möchte. Aber einen Satz darf ich daraus herausgreifen:

Das Projekt verstößt auf den ersten Blick gegen von den Herausgebern hochgehaltenen Prinzipien, es ist das Resultat der Arbeit einer Community, ohne wirklich das Resultat der Arbeit einer Community zu sein.

Ich glaube, das ist der Aspekt, der mich in den letzten Wochen seit Bekanntwerden der Veröffentlichung am meisten gestört und zum Nachdenken angeregt hat. Dazu muss ich der Transparenz halber darauf hinweisen, dass ich selbst als Autor und auch als Moderator in einem Netzwerk für Cornelsen tätig war und bin, und auch in der Tätigkeit als Herausgeber eines Buchs zum Abitur im eigenen Takt (allerdings für einen anderen Verlag) meine Erfahrungen gemacht habe. Daher einige Gedanken, nachdem ich auf der Didacta 2o17 die Gelegenheit hatte, mit den vom Verlag verantwortlichen Personen über das Projekt zu reden:

  1. Der Verlag hat m. E. klug gehandelt, indem er eine innovative Idee (Art der Veröffentlichung, Inhalt) vorangetrieben hat, ohne dass hier ein großer kommerzieller Erfolg zu erwarten ist. Das ist aller Ehren wert.
  2. Eine gewisse Geheimhaltung ist nötig, um ein solches Projekt zu realisieren, da die Konkurrenz sonst dazu führt, dass die Idee anderweitig umgesetzt wird. Dieses Buch hatte eine Vorlaufzeit von ca. 1 Jahr, was in der Verlagsbranche wenig ist – d. h. es wurde unter einem relativ hohen Zeitdruck gearbeitet.
  3. Es ist schwierig für Herausgeber, eine Auswahl der Autoren zu treffen. Sie sollen kompetent sein, gleichzeitig darf die Streuung bei den Inhalten nicht zu groß sein. Die Organisation eines (nicht zu großen) Teams für die Gestaltung eines solchen Buchs ist eine Herausforderung.
  4. Gleichzeitig wurde hier ein großer Teil der #edchatde-Community vor vollendete Tatsachen gestellt und damit auch vor den Kopf gestoßen. Denn wir Teilgeber werden z. T. fast in jedem der vielen Artikel zitiert, mal unter Angabe des Namens, mal unter Angabe des Pseudonyms, manchmal leider nur am Ende des Buchs, haben also einen nicht unerheblichen Anteil an der Ideensammlung, die in dem Buch präsentiert wird.
  5. Die rechtliche Frage der Zitation von „Twitter-Ideen“ ist dabei für mich unerheblich. Ich finde es gut, dass gute Ideen verbreitet werden. Sonst wäre ich nicht bei Twitter, wo ich und wir alle massiv von den Ideen anderer profitieren. Auch dafür bin ich der #edchatde-Community sehr dankbar.

Die Verlagsverantwortlichen stellen zurecht die Rückfrage, wie ich es gemacht hätte: Ich hätte die Community darüber informiert, dass ein Buch geplant ist, einen Strukturvorschlag gemacht und angeboten, einen Teil zu übernehmen. Das hätte dem Geist der Community entsprochen und ich teile hier nicht die Ansicht des Verlags, dass eine Masse an Überengagierten im #edchatde damit das Projekt zu Fall gebracht hätte. Aber das können wir ja vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mal wieder ausprobieren.

Was ich den Herausgebern vorwerfe, ist, dass sie diese Kritikpunkte nicht aufgreifen bzw. auf sie reagieren. Ich habe dazu zumindest noch nichts gelesen, lasse mich aber gerne korrigieren. Das finde ich keinen guten Stil und einfach schade. Der zum Buch produzierte Film verstärkt diesen Eindruck leider. Genau deshalb habe ich gestern insgesamt eine Stunde mit den Verlagsverantwortlichen zu diesem Thema gesprochen, inwiefern der Prozess als #geheimprojekt nötig war. Wer mir jetzt eine „typisch deutsche Neiddebatte“ vorwerfen will, darf das gerne tun. Mir geht es um den Community-Gedanken – das Mindeste wäre die Information gewesen.

Aber vielleicht beim nächsten Mal dann, was meint Ihr? Ich würde mich freuen.

 

 

Welche Schule wollt Ihr werden?

Beim Forum Bildung Digitalisierung in Berlin  (#forumBD) im September 2016 stellte Prof. Hans Anand Pant in einer kleinen Arbeitsgruppe m. E. die entscheidende Frage zur Lage der Schulen beim Thema der Digitalisierung: Welche Art von Schule wollt Ihr werden?

  1. Wir wollen eine „digitale Schule“ werden.
  2. Wir stellen fest: Die Gesellschaft ist bereits weitgehend digitalisiert. Wir wissen, dass wir reagieren müssen, und wir werden etwas überrollt von der Entwicklung.
  3. Wir haben ein pädagogisches Konzept. Dieses wollen wir mit technischen Möglichkeiten noch besser umsetzen.
  4. Und hier füge ich gerne hinzu: Wir haben zwar ein pädagogisches Konzept. Dieses wollen wir auch mit technischen Möglichkeiten besser umsetzen, aber wir wollen auch prüfen, wo sich dieses verändern muss.

Zu 1.: Dies meint die rein technische Betrachtung von Schule. Natürlich spielen pädagogisch-didaktische Fragestellungen auch eine Rolle, allerdings eher en passant.

Zu 2.: Meint sicherlich die meisten Schulen, die derzeit abwarten, ohne wirklich aktiv zu werden. Alle Beteiligten spüren einen latenten Entwicklungsdruck.

Zu 3.: Schulziele wie Individualisierung oder kollaborativer Unterricht u.v.m. können mit den technischen Möglichkeiten neu ausgestaltet werden.

Zu 4.: Wir machen uns zusätzlich grundlegende Gedanken über die Schulziele.

Wir versuchen uns jetzt gemeinsam mit Eltern und Schülern an Punkt 4. Zunächst werden wir einige Schulen besuchen, die weiter sind als wir, um anschließend unsere Schulziele zu hinterfragen und auf dieser Basis weitere technische Entwicklungsschritte gehen, die dafür nötig sind. Wir freuen uns drauf!

 

Zwei Wochen Unterricht mit OneNote Kursnotizbuch und dem Motto BYOD

Das Setup

Als das Schulleitungsteam beschloss, den Versuch zu genehmigen, einen vierstündigen Gemeinschaftskunde-Kurs digital zu bestreiten, jubilierte ich zunächst, wohl wissend, dass dieser Kurs viel Arbeit beinhaltet. Nun ist es soweit, wir sind mitten drin. Wir, das sind 14 Schülerinnen und Schüler (3 sind spontan dazugestoßen, weil sie das Experiment reizte, übrigens alle drei Mädchen!), ein Praktikant, der über das Programm Lehrwerkstatt ein ganzes Jahr den Kurs zusätzlich begleitet und ich als mutiv-nativer Lehrer.

Der digitale Wandel interessiert mich systemisch als Schulentwickler, aber eben auch als Praktiker aus didaktischer Perspektive. Wie wandelt sich der Unterricht, wenn die Grundlage eine andere ist? Bei den Videos zur Tagung “Schulentwicklung digital” in Berlin (September 2016) sagte ein Lehrer aus London sinngemäß, dass es nicht darum geht, den bisherigen Unterricht mit digitalen Medien anzureichern, sondern durch Digitalisierung auf eine neue Basis zu stellen, neu zu denken. Genau das haben wir vor.

 

Reflexion mit dem SAMR-Modell

Zur Reflexion soll uns das SAMR-Modell dienen. In diesem geht es prinzipiell um die Wahrnehmung verschiedener Ebenen in dem Prozess, den wir jetzt gemeinsam durchlaufen:

  1. Im ersten Schritt kommt die Substitution (Ersetzung) von bisher traditionell genutzten Materialien und Aufgaben durch eine digitale Version, also beispielsweise wird ein Text nicht mehr kopiert mitgebracht, sondern am Bildschirm gelesen.
  2. Die zweite Ebene ist die Augmentation (frei übersetzt: Erweiterung). Es geht hier z. B. um den Einsatz von Verlinkungen, Videos, Wörterbüchern etc. Vieles davon könnte auch auf dem herkömmlichen Weg noch funktionieren, geht aber hier schneller.
  3. Die dritte Ebene ist die Modification (Veränderung). Die Aufgabenkonzeption setzt die Arbeit im Digitalen voraus; es kommt zu einer Neugestaltung. Ein Beispiel: Die Ausarbeitung von Präsentationen, Grafiken etc. mit ausführlicher digitaler Recherche.
  4. Die vierte Ebene ist die Redefinition (frei übersetzt: Neubelegung): Die Aufgaben verändern sich mit den Möglichkeiten. Ein Beispiel: Es soll kein längerer Text mehr geschrieben werden, sondern ein Storytelling mit Bildern und Videos ist das Ziel. Oder: Es wird keine Zeichnung zum komplexen theoretischen Text erstellt, sondern ein Video bricht die Inhalte herunter (vgl. dazu auch die Seite der Uni Paderborn)

 

Die Kursgrundlage: Das OneNote Kursnotizbuch (Class Notebook)

Unsere Schule bietet allen Schülerinnen und Schülern eine Office365-Lizenz. Die Ausweitung dieser Lizenzen auf alle am Schulleben Beteiligten war kein großer zusätzlicher Kostenfaktor. Die Einrichtung des Kursnotizbuchs, auf das alle Schülerinnen und Schüler des Kurses zugreifen, lief bereits im letzten Schuljahr, um technische Hürden zu vermeiden. Trotzdem gab es sie: Auf einmal konnten drei Schüler nicht mehr auf die gemeinsame Plattform zugreifen, Lizenzen waren nicht vollständig zugewiesen (das Kursnotizbuch braucht eine eigene Lizenz).

 

Was leistet OneNote?

Es gibt eine Inhaltsbibliothek (wo alle Aufgaben, Arbeitsblätter etc.) von mir als Lehrer kopiergeschützt bereitgestellt werden können und von da aus auch “verteilt” werden.

Es gibt einen Platz für Zusammenarbeit: Hier werden Kursergebnisse gesammelt und ggf. für alle “kopiert” (digital).

Es gibt persönliche Kursnotizbücher der Kursmitglieder, die frei zugestalten sind und auf die ich als Lehrer Zugriff habe, den ich nicht nutzen werde, außer ich soll eine Hausaufgabe korrigieren. Die kann ich relativ komfortabel per Mausklick “einsammeln” und anschließend wieder austeilen.

 

Was leistet OneNote nicht?

Es ist keine Kommunikationsplattform. Dafür hat Microsoft die “Classroom”-Oberfläche vorgesehen, die ist aber noch nicht ausgereift genug für diesen Versuch. Es braucht also weiterhin E-Mails.

Die Synchronisation ist leider nicht so schnell wie bei Etherpads oder Google Docs. Das bedeutet, dass es zu “Konflikten” in Versionen kommen kann, weil SchülerInnen in das gleiche Feld schreiben. Diese muss ich als Lehrer “auflösen”, und das nervt.

Einen einfachen Zugang stellt OneNote auch nicht dar: Man muss ständig seine Login-Daten neu eingeben. Warum, bitte, Microsoft?

 

Warum BYOD?

Für mich ist das die Zukunft: BYOD bei gleichzeitiger Bereitstellung von Notfall- und Ersatzgeräten durch die Schulen. Die Geräte werden dadurch gewartet und sorgsam behandelt und man kennt sich damit aus. Die Vorgaben meinerseits waren simpel:

  1. Mindestens 9.7” (iPad-Größe)
  2. Kopfhöreranschluss
  3. Microsoft OneNote muss laufen (also Windows, Mac, iOS oder Android sind möglich).

 

Wie waren die ersten zwei Wochen?

Geprägt von Versuchen. Zunächst führe ich immer in das Abitur mit seinen Anforderungen ein, um das Ziel gemeinsam in den Blick zu nehmen. Gerne gehen wir dann auch andere Wege, aber die Fokussierung über 2 Jahre gelingt m. E. so am besten. Also erarbeiteten wir fachliche Methoden (Textanalyse, Umgang mit Statistiken, Urteilsbildung, Umgang mit Karikaturen), und dies weitgehend traditionell bzw. unter dem Motto “Substitution” (s.o.). Allerdings gab es zu Beginn gleich ein Kahoot-Quiz zum aktuellen politischen Geschehen, die “Erweiterung” hat also bereits begonnen.

Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Ich habe mich dabei ertappt, wie ich noch etwas an die Tafel geschrieben habe, unnötigerweise. Außerdem hab ich am Ende der zweiten Woche längere Texte kopiert, weil sich herausstellte, dass die SchülerInnen die Ergebnisse Ihrer Arbeit und den zu bearbeitenden Text gleichzeitig auf den kleinen Bildschirmen nicht gut parallel darstellen konnten.

Soweit meine ersten Gedanken. In den nächsten Monaten werden an dieser Stelle auch die SchülerInnen zu Wort kommen.

Hospitation in der Villa Wewersbusch (30.06. – 01.07.2016) oder: Sieht so die Zukunft des Lernens aus?

Das Bergische Internat

Die Villa Wewersbusch ist eine private Ergänzungsschule mit insgesamt ca. 200 Schülerinnen und Schülern (davon 90 im hauseigenen Internat), die 850,- und mehr im Monat als Schulgeld bezahlen.  Die Abschlussprüfungen werden zwar in Klasse 10 und 13 auch von Externen abgenommen, weshalb auch Inhalte und Kompetenzen der staatlichen Bildungspläne vermitteln müssen, dennoch ist die Schule relativ frei in der Ausgestaltung der Jahre bis dahin. Diese Voraussetzungen werden radikal genutzt.

 

 

Vorstellung von Bildung und Lernen

Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler nicht zu Personen werden zu lassen,  die sinnentleerte Inhalte der Bildungspläne aufnehmen und reproduzieren sollen. Im Gegenteil: Sie sollen zu Produzenten Ihrer eigenen Lerninhalte werden über:

  1. Recherchieren
  2. Produzieren
  3. Präsentieren

Ein Bild  wurde gleich zu Beginn der Hospitation bemüht: Wenn man die meistgesuchten Begriffe in einem Business-Netzwerk wie LinkedIn und die staatlichen Bildungspläne übereinanderlege, so fänden sich kaum Parallelen. Dies gelte es zu ändern.

 

Weg vom traditionellen LehrerInnenbild

Als Kontrastfolie für die eigene Zielsetzung beim Lehren dient ein Lehrerbild, in dem eine veränderungsresistente Lehrperson die immer gleichen, wenig sinnstiftenden Inhalte eines zentral vorgegebenen Bildungsplanes vermittelt, die die Schüler und Schülerinnen dabei zu Tode langweilt und am Ende auch dadurch wenig nachhaltige Kompetenzen schafft.

 

Weg mit den Lehrwerken

Um diese Situation zu erreichen, müssen die traditionellen Formen der Wissensvermittlung gehen: Es gibt z. T. keine zentrale Projektionsfläche mehr (es gibt sie zwar, aber sie ist flexibel im Raum oder an der Seite angebracht, damit es kein „Vorne“ mehr gibt). Weiterhin werden ab dem kommenden Schuljahr die letzten eingeführten Lehrwerke von Verlagen abgeschafft. Input wird von den Lehrenden und Lernenden selbst kreiert, und zwar auf den individuell bezahlten und verwalteten iPads der Schülerinnen und Schüler.

 

Organisiert wird dieser Prozess in iTunesU-Kursen, die quasi als „Hub“ bzw. Sammlung für die erstellten Lernmaterialien bzw. eher Produkte genutzt werden. Oftmals gibt es kurze Inputphasen durch Lehrerinnen und Lehrer und anschließend eine neigungsspezifische Differenzierung, an deren Ende immer ein Produkt steht.

 

Inhaltsschaffende Apps

Wer dem App-Wahn verfallen ist, findet an dieser Schule zunächst keine Unterstützung. Das Mantra lautet: Man benötigt hauptsächlich „inhaltsschaffende“ Apps. Es werden kaum fachspezifische Apps genutzt. Dann reichen auch einmal 3 verschiedene Grundlagen-Apps für das erste Jahr, so z. B. BookCreator (für Lesetagebücher uvm.), ein Mind-Mapping Programm und Kahoot (für selbst erstellte Quizzes) sowie natürlich die Standard-Office-Anwendungen (hier die Versionen von Apple wegen der iPads).

 

Medienkompetenz

Interessant ist, dass erst für das 5. Jahr des Bestehens der Schule an diesem Standort, also im 5. Jahr mit iPads, ein systematisches Mediencurriculum erstellt wird. Das zeigt aber lediglich, dass man mit der Technik zunächst seine Erfahrungen sammeln musste, und die Vermeidung der Fehler der Vergangenheit galt es dann anschließend zu systematisieren. Was ebenfalls in diesen Bereich gehört: Die Internatsschüler vor Ort müssen ihre iPads nach der Schule abgeben, alle Schülerinnen und Schüler während der Stunden auch die Handys und die Internatsschüler auch abends. „Die sollen sich ohne Technik zu beschäftigen wissen: Sport, Spiel, Gespräche, Unternehmungen in der Natur. Es gibt hier keine Playstation und der Fernseher wird kaum genutzt.“

 

Die Rolle des Papiers

Einige Gedanken zum Thema Papier: Man wird es bei digitaler Arbeit nicht durchgängig los. Das hat einige gute Gründe. Zunächst ist es schwierig, einen Text auf dem iPad zu lesen und gleichzeitig „Content“ zu produzieren. Für den Splitscreen-Modus sind die iPads zu klein. So kommt es wohl immer wieder zu Mischformen zwischen analog und digital. Zum anderen geht auf kleinem Bildschirm auch mal der Überblick verloren, der auf einem A2-Plakat in ganz anderer Qualität entstehen kann.

 

Der Unterricht – was verändert sich durch die Technik?

Es ist schwer, nach einem Vormittag in den Klassen 5-9 ein abschließendes Urteil über die Frage zu fällen, inwiefern sich der Unterricht überhaupt verändert oder im Einzelnen verbessert oder sogar verschlechtert. Was uns mitgeteilt wurde, war, dass der Oberstufenunterricht – den wir leider nicht zu sehen bekamen – noch etwas „klassischer“ abliefe, da ja auf ein wissensbezogenes Abitur vorbereitet werden müsse. Diesen Gedanken lohnt es allerdings aufzugreifen, denn das Gymnasium hat ja als Schulform insgesamt das Problem, etwas mehr gedankliche (auch theoretische) Tiefe erreichen zu müssen, so wie es an der Villa Wewersbusch in der Oberstufe dann auch benötigt wird, um das Abitur bestehen zu können und vielleicht auch, um durch die entsprechende Vertiefung eine Form der Allgemeinbildung zu erreichen, die den Lernenden Transfer und Kreativität in einer komplexer werdenden Welt erst ermöglichst.

 

Was wir beobachtet haben, war durch die Bank normaler Unterricht, unterstützt mit Tablets. Wer schon die Arbeit an Schulpreis-Schulen zu sehen bekommen hat, weiß, dass Projektunterricht und Produktorientierung sich an guten Schulen weitestgehend durchgesetzt haben, dass dezentrales Arbeiten mit bestimmen Phasen der Zentralisierung absoluter Standard geworden sind, dass Neigungsdifferenzierung ebenso wie die leistungsspezifische Differenzierung dort praktiziert werden, dass das Raumkonzept diese Art des Arbeitens dann auch widerspiegelt (durch viele Sitzecken im öffentlichen Raum, Nischen etc.).  Das alles macht nicht die Technik möglich. Der Vorteil der Nutzung von Technik liegt in der schnelleren Erfassung von Leistungsständen (Diagnose) und der Möglichkeit, darauf zügig zu reagieren. Wenn man Apple und Google glauben möchte, liegt ja die Zukunft darin, dass später einmal Algorithmen automatisch den Lernenden Aufgaben zuweisen, die ihren jeweiligen Leistungsständen entsprechen. Die Diagnosetools werden in Ansätzen bereits genutzt.

 

Die Leitfrage für den Unterricht, die wir uns stellten, war, ob die fast durchgehende Arbeit mit Technik dazu führt, dass die Schülerinnen und Schüler vereinzeln oder ob die Kollaboration durch das gemeinsame Erarbeiten von Produkten gefördert wird – was unsere Hoffnung war. Ebendiese Hoffnung hat sich in der Hospitation nur teilweise bestätigt, zum Beispiel, wenn in Klasse 5 mehrere Filmteams Videos über das Thema „Brüche“ in Mathematik entstehen ließen, indem sie eine Waffel mehrfach aufteilten und so u.a. das Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners erklären konnten.

Auch Gegenteiliges ließ sich beobachten: Gamification hat den Reiz, Schülerinnen und Schüler z. B. über den Wettbewerb eines Quiz zum Lernen von zu Reproduktionswissen zu bewegen. Gleichzeitig besteht in einem solchen Ellbogen-Klima auch etwas die Gefahr, den Respekt vor dem Anderen vermissen zu lassen. Richtig ist sicherlich, dass wir Schülerinnen und Schüler auf das Leben nach der Schule vorbereiten müssen, und da erwartet sie auf dem Arbeitsmarkt als Arbeitnehmer oder auch als Unternehmer der Wettbewerb. Richtig ist auch, dass wir unbedingt Elemente davon in der Schule einsetzen sollten. Genauso wichtig ist jedoch auch das Klima in einem Team, wenn gute Ergebnisse erreicht werden sollen. Die kritische Wertschätzung der Produkte Anderer – durch Lehrende und Lernende – war nur vereinzelt vorhanden.

 

Spielen die nur im Unterricht?

Spiele-Apps sind in der Villa Wewersbusch verboten. Wenn jemand erwischt wird, werden die iPads der gesamten Klasse gefilzt, erzählte ein Schüler der 7. Klasse. Gegebenenfalls wird auch mal der App-Store gesperrt (was eine schlimme Strafe zu sein scheint). Im übrigen werden Schülerinnen und Schüler durchaus zügig der Schule verwiesen, um den anderen deutlich zu machen, dass sie sich an die Regeln zu halten haben. Dafür reicht es schon, 2x im Pausenhof zu rauchen.

Haben wir nun Lernende beobachtet, die permanent zockten, während andere Arbeitsergebnisse präsentierten? Ein klares „Nein“ – allen sind die Regeln klar, dazu gehört eben auch, dass das eigene iPad aus ist, wenn jemand Anderes präsentiert. In der Mittelstufe ist das abweichende Verhalten dann genauso präsent wie an allen anderen Schulen auch: Da zockt schonmal die gesamte letzte Reihe Ego-Shooter, während vorne eine Schülerin ihre Keynote-Präsentation über ein emotionales und bedeutsames Thema zeigt. Wir wissen, dass in diesem Alter in den Köpfen der letzten Reihe aber überall in Deutschland andere Themen wichtiger sind als ebendiese Präsentation vorn.

 

Werden die Ziele des Unterrichts erreicht?

Was sind die Ziele des Unterrichts? Wir würden den Protagonisten vor Ort jederzeit zustimmen, dass der heimliche Lehrplan (auch wenn das Wort vor Ort nicht fiel) eigentlich ein ganz anderer ist, als der Bildungsplan vorgibt. Neben der viel zu kurz kommenden Frage der zweiseitig verstandenen Medienkompetenz („Ich beherrsche die Medien, nicht die Medien mich“) sicherlich auch die intensive Förderung der Key Skills des 21. Jahrhunderts: Kreativität, Kollaboration, aber auch kritische Recherche. Hier beweist die Villa Wewersbusch einfach den Mut, sich auf den Weg zu machen und manche, heutzutage einfach unsinnig erscheinende, Inhalte dabei wegzulassen, was ein konsequenter Schritt ist.

 

Gleichzeitig haben Gymnasien auch noch den Anspruch, kategoriales, z. T. theoriegetriebenes, verknüpfendes Denken zu fördern, mit dem Ziel, zu einem Erkenntnisgewinn zu kommen. Dass es dabei mit den Strukturen des 19. Jahrhunderts heutzutage nicht mehr auskommt, ist inzwischen jedem, der an Schulentwicklung interessiert ist, klar. Aus dieser Sicht heraus konnten wir an der Villa Wewersbusch sehen, dass dort sehr viel Zeit in das Lernen von Methoden investiert wird, man könnte auch flapsig sagen: inhaltlich kommt weniger dabei rum. Für die Villa Wewersbusch ist dies sicherlich eine logische Folge ihres Ansatzes des „Weniger ist mehr“ und damit durchaus gewollt. Das Gymnasium verfolgt einen höheren inhaltlichen Anspruch, um einen bestimmten Durchdringungsgrad zu erreichen, der mir später neue, eigenständige Denkansätze ermöglicht. Wie gehen wir mit diesem Dilemma um? Und lassen sich komplexe Sachverhalte methodisch ebenso produktorientiert im Unterricht umsetzen? Vermutlich ja (siehe Explainity-Videos uvm.), aber wir haben dort ein spannendes neues Arbeitsfeld, das  über die Arbeit an der Villa Wewersbusch hinaus geht.

 

Fragen als kritischer Freund

  1. Der Gedanke, einen Hub für alle Lernmaterialien zu haben (wie es z. B. die beiden digitalen Notizbücher OneNote bzw. Evernote bieten), ist noch nicht klar definiert. Ordnerstrukturen (wie auf dem klassischen Computer) sind sicherlich nicht die Form, unser Wissen und unseren „Content“ in der modernen Gesellschaft und damit auch in der modernen Schule zu strukturieren, aber ein Speicherort einfach irgendwo auf dem Gerät ist auch nicht die Antwort (auch wenn die Suchfunktion gut ist), vor allem dann nicht, wenn ich aus bereits erarbeiteten Wissensgebieten Neues schaffen will bzw. dazwischen Verknüpfungen entstehen sollen. Hier sehe ich für das Arbeiten am Gymnasium noch weiteren Bedarf nachzudenken.
  2. Die (zum Schulkonzept passende radikale) Reflexion über die Technikorientierung wird momentan noch abgelehnt. Diese wäre z. B. durch eine medienfreie Woche denkbar (auch ohne Bücher etc.), um zu erfahren, inwiefern Medien auch mein Leben bestimmen. Medienkompetenz ist hier m. E. noch nicht in aller Konsequenz zuende gedacht, wenn man das Ziel hat, Schülerinnen und Schüler zu einem selbstbestimmten Leben zu führen. Gerade einer Schule, die stark auf die technische Dimension setzt, würde diese Methode der „digitalen Diät“, die viele Technik-Geeks nutzen, gut zu Gesicht stehen. Lernen, gerade im Bereich der Persönlichkeitsbildung und dem sozialen Miteinander, findet ja in der Face-to-Face Interaktion mit Anderen statt.
  3. Einer Einordnung der eigenen pädagogischen (!) Arbeit wollen sich die Protagonisten der Schule zunächst entziehen. Es lassen sich viele Ansätze der Reformpädagogik erkennen, u. a. auch das aufgabenorientierte Lernen (Task-based Learning), eine Diskussion über diese Einbettung wurde jedoch tendenziell abgelehnt. Die Vermutung ist hier, dass die Abgrenzung zu traditionellen Methoden der Vermittlung zum Konzept der Außendarstellung gehören. Lieber orientiert man sich bei Inhalten, Methoden und Raumgestaltung an den Großraumbüros (bzw. eher kreativen Spielwiesen) von Unternehmen wie Apple und Google, deren Arbeitsplätze geprägt sind von variablen Sitzmöbeln, differenzierter Lichtgestaltung und insgesamt so angenehmem Ambiente.

 

Fazit

Alles in allem war diese Hospitation, für deren Ermöglichung wir sehr dankbar sind, vielleicht ein Blick in die Zukunft des Lernens, vielleicht ein Blick in ein Labor, dem viel probiert wird und in dem zunächst „alle Fehler gemacht“ werden, so der Geschäftsführer Florian Kesseler, um zeitgemäßen Formen des Lernens näher zu kommen. Wir lernen gerne mit und versuchen, mache Fehler bei der Umsetzung unserer aktuellen Lerndesigns zu vermeiden.

 

 

Ein Pädagogischer Tag zur Lehrergesundheit als Barcamp

Lehrergesundheit – ein Thema für Nörgler? Ein Thema für Jammerer? Und die dann auch noch beteiligen an der Planung und an der Durchführung eines solchen Tages? Und das soll noch konstruktiv werden?

Erhebung mit IEGL

Am Beginn stand das Bedürfnis des Kollegiums, die Lehrergesundheit als Jahresthema zu setzen und an mehreren Punkten im Jahr in den Fokus zu rücken – und die Sorge der Schulleitung, dass dies wenig hilfreich und eher kontraproduktiv sein könnte, wenn die Stimmung kippt und sich jeder dadurch umso mehr belastet fühlt.

Zu Beginn stand eine Erhebung, die im Zusammenhang  mit der großen Potsdamer Lehrerstunde entwickelt wurde und ein paar belastbare Zahlen für die Weiterarbeit bietet. Wo drückt der Schuh? Was sind die neuralgischen Punkte? Gleichzeitig muss man sagen, dass ein Kollegium meist ein sehr gutes Gespür dafür hat, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann.

Weitere Informationen dazu gibt es hier: http://www.ichundmeineschule.eu/index.php?diagnostik-iegl

Die Erhebung wird praktisch zum Selbstkostenpreis angeboten und ist ein brauchbares Instrument für den Start.

Die Vorbereitungsgruppe

Die Ergebnisse der Erhebung wurden dann dem Schulleitungsteam vorgestellt, welches sie für eine Arbeitsgruppe freigegeben hat, die in diesem Prozess als Steuergruppe dient. Sie war zusammengesetzt aus jung bis alt und bestand aus besonders Interessierten am Thema Lehrergesundheit, weil sie bereits besonders gut auf sich achten oder weil sie sich selbst Orientierung erhofften. Die Mischung macht’s, wie immer.

Eine Ausnahme: Individuelle Rückmeldungen, die in der Erhebung ebenfalls möglich waren, blieben im Rahmen der Schulleitung. Aus diesen wurde weitere „Werkstätten“ für das spätere Barcamp abgeleitet.

Mithilfe eines Moderators aus dem IEGL-Programm wurden die Ergebnisse dann gedeutet. Eine Erkenntnis war, dass wir eine sehr gesunde Schule sind (verglichen mit dem Schnitt aus der Potsdamer Lehrerstudie), aber dass es natürlich Arbeitsfelder gibt, die die KollegInnen aber konkret benennen können und für die sie sogar schon Lösungsvorschläge einbringen. Demnach konnte der pädagogische Tag auch quasi ohne externe Hilfe gestaltet werden. Dies war allerdings auch die Voraussetzung dafür.

Der Pädagogische Tag als Barcamp

Es wurde schnell klar, dass der Tag zwei Perspektiven benötigt: Den Blick auf die Organisation und individuelle Angebote. Immer wichtig bei einem Barcamp: Gutes Essen und Getränke, eine straffe Zeitplanung und gute Protokolle. Mindestens genauso wichtig: Aktive Teilnehmer (ggf. Anbieter von Sessions). Die Sessions heißen bei uns „Werkstätten“, damit kann man ein Kollegium eher überzeugen. Die Themen der Werkstätten waren durch die Studie vorgegeben, wurden als offene Liste vorher ausgehängt, durften durch das Kollegium priorisiert und ggf. erweitert werden. Wichtig war uns, dass keine Interpretation vorgenommen wurde.

Zwei Beispiele für Werkstätten (abgeleitet von der Erhebung):

Werkstatt 1: Erfreuliche Ergebnisse der Studie – Das Kollegium empfindet eine hohe sozial-emotionale Unterstützung / Die Zusammenarbeit mit SchülerInnen und Eltern wird als positiv empfunden.

Werkstatt 2: Es fehlen Erholungsmöglichkeiten an der Schule.

Es gab weitere durchaus brisante Werkstattthemen (insgesamt 11 Themen in 15 Werkstätten, also jeweils 7-8 parallel), die aber alle sehr konstruktiv gearbeitet haben. Der Schlüssel ist m. E. ein gutes Protokoll und eine Fragestellung, die genau diese Lösungsorientierung in den Vordergrund rückt.

Die Wahl der Werkstätten fand per „Abstimmung mit den Füßen“ statt. Zentrale Themen waren in jeder Werkstattschicht im Angebot, so dass eine Gruppe z.B. vorarbeiten konnte und eine andere dort weitergemacht hat. Weitere Vorgaben gab es nicht, die Gruppen organisierten sich selbstständig.

Hier mal das Programm: Pädagogischer Tag 2016

Und hier das Protokoll der Werkstätten: Sessions Protokolle Dokumentation

Wir haben den Bereich zu den „Problemen“ bei Positiv-Werkstätten durch „Gründe“ und  den Bereich „Lösungsmöglichkeiten“ durch „Ausbaumöglichkeiten“ ersetzt.

Die Protokolle wurden kurz vorgestellt, zentral ausgehängt, digitalisiert und per Mail an alle verschickt.

Die Ergebnisse gehen jetzt ins Schulleitungsteam und von da aus wieder in die zentrale Lehrerkonferenz (bei uns Lehrerrat genannt), wo konkrete Beschlüsse gefasst werden können. Manchmal geht es aber auch um Stellschrauben, die die Schulleitung selbst drehen kann.

Tipps für ein Barcamp mit dem Lehrerkollegium

Wer so etwas wie ein „Barcamp“ machen möchte, dem würde ich empfehlen, auf zu viel hippes Vokabular zu verzichten, gründlich das Prinzip zu erläutern und die Chance zu betonen, das eigene Thema auf die Agenda zu bringen. Wir haben es mit einem kurzen Film zum Barcamp-Prinzip sowie einem kurzen Handzettel erläutert.

Eine Werkstatt anbieten – Wie funktioniert das

Heute, am Tag danach, sprach mich eine sehr erfahrene Kollegin an und sagte, dass sie ja krankheitsbedingt die Werkstätten-Tagung am Schuljahresende (unser erster  Versuch mit insgesamt 42 durch KollegInnen angebotene Werkstätten) verpasst hätte und bei dem Prinzip „Barcamp“ skeptisch gewesen sei, aber es sei richtig toll gewesen. Und das finde ich wiederum toll.

Hier noch ein paar Eindrücke vom Start in den Tag, der Frage, was uns Kraft für den Alltag gibt:

Evernote Snapshot 20160229 095609

 

 

 

 

 

 

Hausaufgaben und Schulentwicklung

Thema des heutigen #edchatDE ist die Rolle der Hausaufgaben, in Österreich übrigens ehrlicherweise „Hausübung“ genannt, denn die Aufgaben kann man ja nicht neu erarbeiten, sondern man übt bereits Gelerntes, oder? Inzwischen ist das dank des Konzepts „Flipped Classroom“ natürlich nicht mehr so eindeutig, aber dazu haben andere mehr zu schreiben.

Wir haben unsere Klassen 5-7 auf Anregung der Eltern gefragt, ob Hausaufgaben überhaupt ein Problem sind. Ergebnis:

  • 62% der SchülerInnen schaffen Ihre Hausaufgaben in der Regel innerhalb von 30 min
  • 82% erledigen die HA sofort oder schaffen es, sie machbar zu verteilen
  • Stress, der durch HA entsteht, kommt durch die Menge, aber auch durch die SchülerInnen selbst, weniger durch Eltern oder Lehrer

Als Ganztagsschule sind uns einige Prinzipien wichtig (und zum Teil auch gesetzlich vorgeschrieben):

  1. An Tagen, die in den Nachmittag hineingehen (bei uns Montag, Dienstag und Donnerstag) dürfen keine Hausaufgaben auf den nächsten Tag gegeben werden.
  2. Die Nebenfächer sollten HA ganz vermeiden, außer sie sind dringend für ein längeres Projekt notwendig.
  3. Umfangreiche Angebote in unserer 2-stündigen Mittagspause und am Ende des Tages ermöglichen es allen SchülerInnen, ihre HA in der Schule zu erledigen.
  4. Die SchülerInnen lernen mit dem Alter zunehmend, ihre HA-Stunden selbst zu organisieren. Zuerst führen sie noch ein HA-Tagebuch, was die Aufsichten abzeichnen, später wird dies immer freier gestaltet.

Ein Kommentar als Englischlehrer zum Schluss: Die meisten Übungsformen kann ich auch mit nur 3 Stunden pro Woche Englisch in den Unterricht integrieren. Ich muss die SchülerInnen dazu bekommen, eigenständig mehr im Privaten mit Englisch zu tun haben zu wollen. Eine einzige Sache habe ich bisher noch nicht ausschließlich in den Unterricht verlagern können: Das Lernen von Vokabeln, auch wenn diese ständig Thema sind. Dafür gibt es einfach nicht ausreichend Übungszeit.